Für immer jetzt

 Erich Harsch, Vorsitzender der Geschäftsführung der dm-Drogeriemarkt GmbH + Co. KG, Karlsruhe
Nein, als Gegenwarts-Fanatiker ist Erich Harsch nicht radikal. Er hat Prinzipien, nach denen er lebt und arbeitet – und das sehr erfolgreich. Mit gerade mal 30 Jahren stieg er in die Chefetage des Karlsruher Drogeriemarktes dm auf. Im Interview mit Iunia Mihu und Björn Lange spricht er über die Entwicklungspotenziale des Unternehmens und verrät, was Demut mit Golf spielen zu tun hat.

inside B> Herr Harsch, die Umsatzzahlen bei dm kennen scheinbar nur eine Richtung – und zwar nach oben. Wie ist das neue Geschäftsjahr angelaufen?
Erich Harsch> Sehr gut! Wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr die Sechs-Milliarden-Euro-Schwelle in Deutschland sogar deutlich überschritten und bewegen uns weiter auf gutem Niveau. Wir warten eigentlich darauf, dass sich die Zahlen bescheidener entwickeln, aber im Moment ist das nicht festzustellen. Wobei diese Entwicklung für uns nicht das Ziel ist, wir wollen unseren Kunden den bestmöglichen Service bieten. Der Erfolg, wie der Wortstamm schon sagt, folgt dann. Wenn man als erstes Ziel den Eigennutzen statt den Kundennutzen definiert hat, dann erreicht man das wahrscheinlich schwieriger.

inside B> Welche Geschäftsfelder laufen besonders gut?
Erich Harsch> Das kann man so explizit gar nicht sagen. Wir haben die unterschiedlichsten Sortimentsbereiche und alle Sortimente entwickeln sich durchgängig gut. Aber es gibt natürlich Sortimente, die haben eine besondere Bedeutung. Zum Beispiel: Schönheit und Körperpflege. Im dekorativen Bereich sowie im Kosmetikbereich haben wir seit vielen Jahren viel dafür getan, dass das Sortiment breiter und besser wird. Wir haben die Platzierung ausgeweitet und das hat zu besonderen Steigerungen geführt. Zudem haben wir im Babybereich überproportionale Marktanteile. Das Segment Gesundheit ist auch sehr wichtig.      

inside B> Sie haben einmal gesagt: ‚Unser Ziel ist Entwicklung.‘ Welche Entwicklungspotenziale sehen Sie bei dm?
Erich Harsch> Das erste Ziel ist, dass die Kolleginnen und Kollegen sich weiterentwickeln. Nur dann kann sich das Unternehmen entwickeln. Daher stellen wir uns die Frage: Wie sehen wir die Menschen? Überspitzt ausgedrückt: als abgekaufte Arbeitskräfte oder als den wesentlichen Bestandteil von dm? Das Unternehmen ist doch für die Menschen da – nicht umgekehrt.     

inside B> Was macht dm besser als andere?
Erich Harsch> Unsere Kultur der Zusammenarbeit ist darauf ausgelegt, dass die Menschen Freiraum für Initiative und Gestaltung haben. Nur dann kann man beispielsweise auch Fehler machen, aus denen man lernt. Diese Lernmöglichkeiten in der Arbeit sind wichtig und beginnen bereits in der Ausbildung. Die Lehrlinge machen Erfahrungen, die sie weiterbringen. Das Konzept heißt ‚Lernen in der Arbeit‘ und ist etwas völlig anderes, als Dienst nach Vorschrift zu machen.
 
inside B> dm ist heute ein sehr beliebter Arbeitgeber – und scheinbar früher auch schon. Sie haben sogar ihr Jurastudium abgebrochen, um bei dm einzusteigen. Erzählen Sie mal.   
Erich Harsch> Das stimmt. Die Paragrafenreiterei war einfach nicht meine Welt und innerlich habe ich auch gefühlt, dass das für mich fürchterlich unproduktiv ist. Nach zwei Jahren ist die Unzufriedenheit gestiegen und irgendwann bin ich mir selbst so auf die Nerven gegangen in meiner eigenen Unproduktivität, dass ich einfach raus und etwas Neues machen wollte. Dabei ist mir eine Anzeige in der Zeitung aufgefallen, in der dm jemanden gesucht hat, der für zwei Jahre nach Deutschland geht, um sich im EDV-Bereich fit machen zu lassen. Ich hatte schon immer eine große Liebe für Logik und Zahlen. Ich habe mich beworben und zu meiner eigenen Überraschung wurde ich genommen. Ich hatte damals keine Ahnung von Computern!    
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