Sparkassenchef Parthon: »Die Filiale ist nicht tot«

Dienstag, Februar 14, 2017
Bilanz 2016 der Sparkasse Hanauerland / Kostensenkungen verschaffen Luft auf der Ergebnisseite
Sparkassenchef Parthon: »Die Filiale ist nicht tot«
Fotograf: 
Peter Heck

Kehl. Mit Betongold kann man in Zeiten historisch niedriger Zinsen derzeit gutes Geld verdienen. Doch wie alle Regionalbanken in der Ortenau fehlen auch der Sparkasse Hanauerland die Angebotsalternativen. »Die Nachfrage nach Immobilien ist viel, viel höher als das Angebot«, sagt Joachim Parthon, der Vorstandsvorsitzende des Kehler Instituts. »Leider.« Die Preise seien im Vergleich zu anderen Städten in der Ortenau und Straßburg immer noch vergleichsweise günstig. Das Interesse der Franzosen sei daher unverändert hoch. »Doch es ist nicht so einfach, noch Grundstücke zu bekommen«, sagt Parthon.
Nach wenigen Tagen weg
Dass die Sparkasse Hanauerland 2016 mit 66 Immobilien 23 mehr vermitteln konnte als im Vorjahr, lag an einem Sondereffekt. Sie konnte auf 35 seniorengerechte Wohnungen in einem Neubau in Lichtenau zugreifen, die aber bereits nach wenigen Tagen an die Käufer gebracht waren.
14-Millionen-Projekt
Von einem ähnlichen Effekt möchte das Institut auch in diesem beziehungsweise im kommenden Jahr profitieren. Derzeit realisiert die sparkasseneigene Immobiliengesellschaft ein Neubauprojekt im Herzen Kehls mit einem Investitionsvolumen von 14 Millionen Euro. Auf eigenem Grund entstehen neben der Sparkassenzentrale fünf Gebäude mit insgesamt 40 Wohneinheiten, für die sich das Institut hervorragende Vermarktungschancen ausrechnet. Beflügelt werden die Fantasien auch, weil die Gebäude im kommenden Jahr von der Anbindung an die Straßburger Tram profitieren werden. Das könnte vor allem Kunden aus der Europa-Metropole anlocken.
Insgesamt lief das Geschäft der Sparkasse Hanauerland im vergangenen Jahr gut, die Ausleihungen konnten weiter gesteigert werden. Das Volumen an Privatkundenkrediten stieg um etwas mehr als ein Prozent auf 363 Millionen Euro, an Firmenkunden waren 433 Millionen Euro ausgeliehen, ein Plus von etwa drei Prozent. Aufgrund der hohen Tilgungsbereitschaft »müssen mindestens 100 Millionen Euro neue Kredite vergeben werden, um noch Wachstum in diesem Bereich zu erzielen«, sagt Sparkassen-Vorstand Wolfgang Huber.
»Wir führen Gespräche«
Unter dem Strich schaffte es das öffentliche Institut, den Gewinn wieder zu steigern, was jedoch nur durch Kostensenkungen gelang. 2015 hatte die Sparkasse ihr Filialnetz ausgedünnt, mit den derzeit bestehenden Filialstandorten sei man gut aufgestellt, meint Parthon. Trotz geänderten Kundenverhaltens gelte: »Die Filiale ist nicht tot.«
Kosten reduzieren gilt bei der Sparkasse auch im Bereich der Sichteinlagen. Wie andere Regionalbanken in der Ortenau planen die Kehler in diesem Jahr die Einführung von Negativzinsen (minus 0,4 Prozent) auf größere Geschäftsgutgaben. Laut Huber betrifft dies eine knapp dreistellige Zahl von Firmenkunden und Kommunen. »Wir führen mit ihnen darüber Gespräche und vereinbaren individuelle Freibeträge.«