Ruch Novaplast: Mit Druck und Wasserdampf

Montag, Februar 13, 2017
Der Oberkircher Kunststoffspezialist versorgt 15 verschiedene Branchen mit Produkten
Ruch Novaplast: Mit Druck und Wasserdampf
Fotograf: 
Ulrich Marx

Schützend, isolierend und leicht. Das sind die drei Eigenschaften der Kunststoffe, die die 200 Mitarbeiter von Ruch Novaplast in Oberkirch zu Produkten verarbeiten, die fast jeder schon mal in der Hand hatte oder nutzt. Ob Motorradhelm oder Massagerolle, Pizza-Lieferbox, Isolierungen für Heizungsrohre, das ordnende Innenleben eines Werkzeugkoffers oder auch Gehäuse für Klima- und Lüftungsanlagen – die Formen, in die verschiedene Kunststoffgranulate mit Druck und Wasserdampf verwandelt werden, sind fast grenzenlos.
»Wir bedienen 15 verschiedene Branchen, vom Automobilzulieferer bis zum Flugzeugmodellhändler«, umreißt Geschäftsführer Winfried Mantwill den bunten Kundenkreis und die große Herausforderung, alle optimal zu beraten und zu bedienen. Gemeinsam mit Roland Zeifang führt er das 1879 gegründete Oberkircher Familienunternehmen.
»Mehrfach abgefedert«
Beim Rundgang durch die etwa 20 000 Quadratmeter großen Produktionshallen erklärt Mantwill den Werkstoff, den die meisten unter der Bezeichnung »Styropor« kennen. Genauer betrachtet, verarbeitet Ruch Novaplast zwei ganz unterschiedliche Kunststoffe. »Zum einen haben wir mit expandiertem Polystrol ein Material, das einen Stoß absorbiert und beispielsweise in Motorradhelmen als Crash-Element zum Einsatz kommt«, erklärt Mantwill. Expandiertes Polypropylen hingegen federt Kräfte mehrfach ab und wird vor allem für Transportsysteme in der Automobilindustrie oder auch für Isolierungen verwendet.
Die Produktionshallen gleichen einem riesigen Maschinenpark, denn für die vielen verschiedenen Produkte und deren Weiterverarbeitung oder Montage braucht es ganz unterschiedliche Voraussetzungen. Zentral ist auch das Know-how der Mitarbeiter, die die vielen verschiedenen Schäumautomaten bedienen, mit welchen die Granulate in die gewünschten Formen gebracht werden. Das ist Wissen, das so spezifisch in keiner Ausbildung vermittelt wird. »Deshalb sind unsere Mitarbeiter mit ihrer langjährigen Erfahrung für uns ganz wichtig. Und wir investieren viel Zeit und Geld in unsere Auszubildenden«, erklärt Winfried Mantwill. So sind vergangenen September wieder sieben neue Nachwuchskräfte bei Ruch Novaplast ins Berufsleben gestartet.
Neben der Erfahrung ist Innovation ein wichtiger Motor für den Erfolg von Ruch Novaplast. Regelmäßig sind Mitarbeiter aus Oberkirch an bundesweiten Entwicklungsprojekten beteiligt. »Dabei geht es beispielsweise um die Gestaltungsentwicklung, etwa im Hinblick auf Oberflächen. In der Regel sind wir den Standards um fünf bis zehn Jahre voraus«, berichtet Mantwill stolz.
Penibel getestet
Eine Technologie, die Ruch als erstes Unternehmen erfolgreich im Markt etablierte, ist das thermische Fügen von Formteilen. Diese Technik macht es möglich, große Kunststoffteile luftdicht miteinander zu verschweißen. Nico Königstetter demonstriert die Technik an einem aus acht Einzelteilen bestehenden Gehäuse für ein Lüftungsgerät, das später einmal in ein Einfamilienhaus eingebaut wird. Nachdem er die Teile zusammengefügt hat, wird jedes Gehäuse penibel mit einem Testgerät auf Dichtigkeit getestet und erhält ein Zertifikat.
Ein weiterer wichtiger Artikel, der in Oberkirch in Form gebracht wird, sind Helmschalen für Motorradhelme. »Hier ist es uns gelungen, mit einem eigens entwickelten Verfahren verschiedene Dichtezonen in einem Arbeitsgang zu kombinieren«, berichtet Mantwill stolz. Auf dieses Geschäftsfeld sind die Oberkircher übrigens durch Formel-1-Legende Michael Schumacher gestoßen, der zusammen mit dem Helmhersteller Schuberth bei Ruch Novaplast einmal eine ganz individuelle Lösung für seinen Rennhelm angefordert hatte. Heute beliefert das Unternehmenden Marktführer im Bereich Schutzhelme, der fast alle Helmschalen aus Oberkirch bezieht.