Müll, Dreck, Tod: Jobs, die keiner machen will

Donnerstag, Februar 26, 2015
Es gibt Jobs, die niemand machen will. Weil’s stinkt, weil’s ekelig ist, weil das Gehalt mies ist. Wir haben Straßenkehrern, Kanalarbeitern und Bestattern über die Schulter geschaut und waren überrascht. Es ist höchste Zeit, Vorurteile zu begraben.
Seniorchef Kurt und Sohn Armin Stier aus Karlsruhe.
Fotograf: 
Stephan Hund

Wir Journalisten haben es nicht leicht. Abitur, Studium, Volontariat. Und dann? Kaum berufliche Sicherheit und ein vergleichsweise geringes Gehalt. Dazu lange Arbeitstage und kaum gesellschaftliches Renommee. Aber es geht schlimmer. Wie eine Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach zeigt, gehören die Berufe des Fernsehmoderators, Bankers und Politikers zu den gesellschaftlich am wenigsten akzeptierten. Werden Deutsche gefragt, welchen Beruf sie keinesfalls ausüben möchten, erwartet man unter den häufigsten Nennungen Außenseiterjobs mit Ekelfaktor. Aber das ist nur die halbe Wahrheit: Laut einer Studie des Marktforschers Toluna im Auftrag der Hamburger  Kommunikationsagentur Faktenkontor tummeln sich in den Top Ten der unbeliebtesten Berufe der Bankkaufmann, der Grundschullehrer, der Politiker und der Versicherungsvertreter. Sogar der Arztberuf schaffte es unter die zehn häufigsten Nennungen, ebenso wie der Fernfahrer, die Reinigungskraft, der Landwirt, der Journalist und der Straßenkehrer.
Im Gegensatz zu den meisten anderen genannten Jobs ist der Beruf des Arztes selbst zwar unbeliebt, genießt aber ein hohes gesellschaftliches Ansehen. Paradebeispiele für Berufe mit geringem Ansehen und großer Unbeliebtheit finden sich in der Gastronomie. Ein Blick auf den Lehrstellenmarkt in Deutschland zeigt, dass vor allem Berufe in der Hotellerie und im Gastgewerbe zunehmend an Attraktivität verlieren. Ebenfalls unbeliebt und ohne Renommee sind die Berufe des Müllmanns, Türstehers, Tankwarts, der Toilettenfrau, des Gärtners, Fließbandarbeiters, Bauarbeiters, Bäckers, der Politesse, des Kanalarbeiters und Bestatters. Es gibt Jobs, die wirklich niemand machen will. Wir haben Straßenkehrer, Kanalarbeiter und Bestatter bei ihrer Arbeit begleitet und mit ihnen über ihr Imageproblem gesprochen.
Vorbei sind die Zeiten, als der Totengräber in Westernmanier seinen hohen Hut ablegte und grimmig den letzten Sargnagel in den Deckel hämmerte, bevor er einen tiefen Zug aus der Whiskeyflasche nahm. Wenn es ihn je gab, dann gibt es ihn nicht mehr, diesen bleichen, alten, immer ernst dreinschauenden Mann. Kurt und Armin Stier, Senior- und Juniorchef des Karlsruher Bestattungshauses Trauerhilfe Stier, tragen Anzug, Hemd, Krawatte. Sie sind Geschäftsleute, machen hier und da ein Witzchen, lachen viel, aber wissen sehr wohl um den schlechten Ruf ihrer Branche: Bestatter sind Abzocker, die die Trauer der Angehörigen und den Zeitdruck vor einer Beerdigung ausnutzen, um Zubehör, wie etwa Särge, völlig überteuert zu verkaufen. Ein weiterer Vorwurf lautet, Bestatter würden sich von Blumenhändlern oder Steinmetzen für Empfehlungen gegenüber Angehörigen bezahlen lassen. In der Tat stellen Bücher wie die von Peter Waldbauer (Die Bestattungsmafia) und Michael Schober (Todsichere Geschäfte) die Branche als durch und durch unseriös dar. Und Berichte über einen Totengräber aus Malsch bei Karlsruhe, der zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt wurde, verstärken das Bild des unseriösen Bestatters. Er hatte in 67 Fällen den Sarg aufgebrochen, bevor er das Grab zuschüttete – um nicht unnötig Erde mit der Schubkarre wegbringen zu müssen.
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