Interview: Dany Thomas über die Kraft der Bilder

Donnerstag, Februar 26, 2015
Hummeln im Hintern und Feuer im Blut: Dany Thomas wuchs in einer Theaterfamilie auf, ist Schauspielerin, Regisseurin, Maskenbildnerin und Vertriebsprofi. Ihre Business-Theaterstücke entfalten ungeheure Kräfte und regen zum Nachdenken an. Im Interview mit Björn Lange und Iunia Mihu spricht sie über Wünsche der Geschäftsführer, große Gefühle und Standing Ovations.
Dany Thomas, Inhaberin Visual Communication Group, Mannheim.
Fotograf: 
Jan Bürgermeister

inside B> Frau Thomas, welche Idee steckt hinter Ihrem Unternehmen, die Visual Communication Group GmbH, welches Sie vor 25 Jahren gründeten?
Dany Thomas> Ich habe damals gedacht: Es kann doch nicht sein, dass man Menschen immer nur mit Reden motivieren will. In Vorträgen und Seminaren hören die Leute doch irgendwann gar nicht mehr zu, sondern malen die schönsten Bilder. Da können Sie in die hinteren Reihen gehen und am Schluss die Bilder einsammeln. Und da ich aus einer alten Theaterfamilie stamme, dachte ich, dass man das anders aufziehen muss – nämlich mit einer Verbindung aus Bildern, Sprache, Gesten und Emotionen. Bilder sagen mehr als tausend Worte. So entstand die Idee des Business-Theaters.

inside B> Das war 1991 neu, so etwas gab es nicht.
Dany Thomas> Genau, und anfangs wurden wir dafür belächelt. Wir haben beide unsere lukrativen Jobs aus der Theater- und Vertriebsbranche aufgegeben und es ausprobiert. Unseren ersten Auftrag werde ich nie vergessen, der kam vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe. Der Beruf des Servicetechnikers wurde im Rahmen einer großen Feierlichkeit in Frankfurt am Main eingeführt, und dazu haben wir ein Theaterstück auf die Bühne gebracht. Der Erfolg war riesig. Unser nächster Auftrag kam dann von der Firma Geberit. Am Schluss erhielt ich von 450 Führungskräften Standing Ovations. Das war so schön.

inside B> Worum ging es bei dem Stück?
Dany Thomas> Kennen Sie Geberit? Die stellen diese Drückerplatten und Spülkästen für Toiletten her. Ein interner Veränderungsprozess war ins Stocken geraten und es ging nicht mehr voran. Wir haben das Problem so treffend vor der Kulisse einer Firmentoilette dargestellt, dass 450 Führungskräfte aufstanden und applaudierten.

inside B> Sie nutzen also das Theater als Instrument, um Menschen emotional zu erreichen.
Dany Thomas> Richtig. Das ist unser Hauptgeschäftsfeld. Ein weiteres Geschäftsfeld habe ich vor sechs Jahren eingeführt, es heißt Theater Interact. Unter der Anleitung professioneller Theaterpädagogen werden dabei Mitarbeiter von Unternehmen selbst zu Schauspielern. In Kleingruppen erarbeiten wir dann bestimmte Themen – und das kommt sehr gut an.

inside B> Bleiben wir mal beim Hauptgeschäftsfeld. Was macht den Reiz Ihrer Business-Theaterstücke aus?
Dany Thomas> Wir halten den Leuten einen Spiegel vor. Sie schauen in den Spiegel, erkennen sich selbst, erschrecken sich auch manchmal, und fangen dann an nachzudenken. Sie reflektieren das Gesehene. Ob Führungskräfte, Kunden oder Mitarbeiter, wir sprechen das Publikum auf einer emotionalen Ebene an.

inside B> Für wen ist solch ein Business-Theater sinnvoll?
Dany Thomas> Für alle. Für Firmen ist es interessant, sobald ein Kommunikationsprozess ins Stocken gerät, wenn Mitarbeiter abblocken, wenn Hürden und Akzeptanzschwierigkeiten auftauchen. Wenn Fusionen geplant sind, wenn Change-Prozesse anstehen, wenn sich Menschen verändern sollen. Ein Unternehmen kann niemals Veränderungen herbeiführen, ohne dabei die Menschen mitzunehmen.

inside B> Wie läuft es ab, wenn ein Unternehmen auf Sie zukommt?
Dany Thomas> Ein Beispiel: Zwei konkurrierende Unternehmen aus der Pharma-Branche sollten fusionieren. Bislang hatte der Vertrieb der einen Firma die Produkte der anderen Firma schlecht gemacht, aber auf einmal sollten sie zusammenarbeiten. Unsere Aufgabe war es, beide Seiten zusammenzuführen. Dann sind wir in die Firmen hineingegangen, haben mit Mitarbeitern, dem Vertrieb und den Geschäftsführungen gesprochen, ohne dass diese wussten, dass daraus ein Business-Theater entsteht.
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