Giftige Matratzen? BASF gibt Entwarnung

Donnerstag, Oktober 12, 2017
Giftige Matratzen? BASF gibt Entwarnung
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dpa

Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass der Ludwigshafener Chemiegigant BASF von Ende August bis Ende September rund 50 Schaumstoffhersteller mit dem Kunststoffgrundprodukt TDI beliefert hatte, das wegen eines Produktionsfehlers in diesem Zeitraum mindestens die hundertfache Menge des Lösungsmittels Dichlorbenzol enthielt als üblich. Mit TDI hergestellte Poly­urethanschaumstoffe werden zum Beispiel für Matratzen und Auto-Sitzpolster verwendet. Gestern Nachmittag gab die BASF Entwarnung: Experten hätten Untersuchungen an verunreinigten Schäumen durchgeführt. »Die Ergebnisse und weitergehende Berechnungen zeigen, dass nicht von einer Gesundheitsgefährdung auszugehen ist.« Der Fachverband Matratzen-Industrie gab unter Berufung auf BASF weitere Details bekannt: »Unmittelbar nach der Herstellung des Schaums beginnt sich das Dichlorbenzol darin zu verflüchtigen, sodass sich der Gehalt im Schaum bereits nach einem Tag halbiert hat. Wenn man davon ausgeht, dass es mindestens eine Woche dauert, bis aus einem Schaumblock eine Matratze entstanden ist, die in den Handel gelangt, hat sich der Dichlorbenzol-Wert nach Information der BASF auf zehn Prozent der ursprünglichen Belastung reduziert.« 
»Keine Gefahr«
Auf der Basis dieser Erkenntnisse sei BASF zu dem Ergebnis gekommen, dass auch bei der höchsten anzunehmenden Belastung von Matratzen mit DCB nach dem Störfall im BASF-Werk in Ludwigshafen keine Gefahr für Verbraucher von diesen Produkten ausgeht, so der Matratzenhersteller-Verband. Wenige Stunden zuvor hatte er noch mitgeteilt, das TDI an sich reagiere im Schäumprozess ab, allerdings verbleibe das Dichlorbenzol im fertigen Schaum. 
Dichlorbenzol kann Haut, Atemwege und Augen reizen und steht im Verdacht, Krebs zu verursachen, hatte die Deutsche Presse-Agentur geschrieben. Um mögliche Risiken einzudämmen, hätten zahlreiche Hersteller die Produktion von Matratzen einstellen oder deutlich zurückfahren müssen, was sie wirtschaftlich extrem belaste, so der Matratzenhersteller-Verband. Diese Einschätzung teilte Frank Mildner, Geschäftsführer der Schwarzwald Hn8 Schlafsysteme (ehemals Hukla) aus Haslach: »Wir sind wie die meisten Matratzenhersteller extrem betroffen. Teile unserer Produktion sind stillgelegt«, sagte Mildner am Vormittag gegenüber Hitradio Ohr. »Manche Schaumstoffblöcke dürfen und wollen wir nicht verarbeiten, denn wir haben eine Verantwortung für Verbraucher und unsere Kunden.« Hn8 erhalte aber auch Blöcke von anderen Lieferanten, daher sei die Produktion nicht komplett eingestellt. Andere Matratzenhersteller aus der Ortenau waren nach Informationen von Hit­radio Ohr nicht betroffen oder wollten keine Stellungnahme abgeben.
Noch gestern wollten die Schaumstoffhersteller über das weitere Vorgehen beraten, wusste Mildner am frühen Abend zu berichten. Der Mittelbadischen Presse sagte er, Schwarzwald Hn8 Schlafsysteme erfahre hoffentlich spätestens heute, welche an sie gelieferte Schaumstoffchargen genau betroffen seien. Dann könne man auch die Kunden genau informieren. Mildner hofft auf eine Unbedenklichkeitserklärung.