Ernst-Mitarbeiter wählen Betriebsrat

Donnerstag, Mai 18, 2017
IG Metall beklagt »ungerechte Mitarbeiterlöhne«
Ernst-Mitarbeiter wählen Betriebsrat
Fotograf: 
Claudia Ramsteiner

Die Mitarbeiter der Firma Ernst Umformtechnik in Zusenhofen haben zum ersten Mal einen Betriebsrat gewählt. Wie die IG Metall gestern mitteilte, hätten knapp 80 Prozent der Wähler (320 Stimmen) die Betriebsratsliste der IG Metall bei Ernst gewählt. Parallel dazu hatte die Liste »Gemeinsam für eine sichere Zukunft« kandidiert. Sie erreichte nach IG-Metall-Angaben knapp 21 Prozent (84 Stimmen). Der Automobilzulieferer beschäftigt an seinem Stammsitz rund 480 Mitarbeiter. Die IG-Metall-Liste erhalte neun von elf Mandaten, die andere Liste zwei Mandate. 

Lea Marquardt, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Offenburg, nahm zum Wahlergebnis Stellung: »Damit haben 80 Prozent der Mitarbeiter für mehr Respekt und Gerechtigkeit gestimmt.« 

Ende 2016 hatten sich Ernst-Mitarbeiter an die Gewerkschaft gewandt und sich nach IG-Metall-Angaben über ein »immer schlechter werdendes Betriebsklima« beklagt (wir berichteten mehrfach). 

Probleme seien für Mitarbeiter durch Personalmangel, angeordnete Überstunden, fehlende Erholung, »respektlosen Umgang der Firma mit den Mitarbeitern und eine ungerechte Bezahlung« entstanden. »Die IG-Metall-Betriebsräte werden diese und andere Probleme jetzt unverzüglich angehen«, erklärte Marquardt.
Tarifvertrag geplant

Vor allem stehe für die Zukunft ein Tarifvertrag für den deutschen Unternehmensstandort auf der Tagesordnung. Die Mitarbeiter bei Ernst seien nicht ordentlich eingruppiert und erhielten nicht annähernd die Zuschläge für Überstunden, wie in tarifgebundenen Betrieben. Dazu Marquardt: »Ernst expandiert und steigert fortlaufend seine Gewinne. Es wird Zeit, dass auch die Menschen daran teilhaben, die diese Profite erarbeiten.« 
Matthias Ernst, kaufmännischer Geschäftsführer des Unternehmens, war für eine Stellungnahme zu den Vorwürfen der IG Metall nicht erreichbar.