Ernst investiert 50 Millionen Euro

Freitag, Februar 10, 2017
Automobilzulieferer steckt bis 2019 über 30 Millionen Euro in den Produktionsstandort Oberkirch
Ernst investiert 50 Millionen Euro
Fotograf: 
Digitale Animation: Ernst

Die an der B 28 ansässige Ernst-Gruppe arbeitet derzeit äußerst erfolgreich. 2016 wuchs der Umsatz der Gruppe um sieben Prozent auf 111 Millionen Euro. In den nächsten Jahren will der von Oberkirch-Zusenhofen aus gesteuerte Konzern zweistellig wachsen und beim Umsatz 2019 die 150-Millionen-Euro-Marke knacken.

690 Mitarbeiter sind weltweit an vier Standorten für Ernst tätig, davon 480 in Oberkirch. Die Jobmaschine im Renchtal ist zugleich einer der größten Ausbildungsbetriebe – 40 Azubis lernen beim Umformtechniker in Produktion und Verwaltung.
Um die Wachstumsziele zu erreichen, wird in Maschinen und in Arbeitskräfte investiert. »Wir wollen im Juni mit der Verlegung unseres Mitarbeiterparkplatzes beginnen«, sagt Matthias Ernst. Nach dessen Fertigstellung im Herbst folge der Bau einer neuen Produktionshalle, berichtet der Kaufmännische Geschäftsführer. 

»Die Zeit drängt«, sagt Herbert Gieringer mit Blick auf das laufende Genehmigungsverfahren. Ernst schließe heute Lieferverträge ab, bei denen die Produkte in zwei Jahren von den Kunden abgerufen werden.  »In unserer Branche zählt Verlässlichkeit, um im Geschäft zu bleiben«, sagt Ernst.
Bautermin zu halten

Die Oberkircher Bauverwaltung habe dem Unternehmen signalisiert, dass der Bautermin zu halten sei. Dabei ist das Planungsverfahren durchaus komplex. Neben dem Problemfeld Hochwasserschutz, das durch ein bereits vorhandenes Regenrückhaltebecken (Brestenberg), bereits minimiert ist, bereitet den Planern der Lärmschutz Kopfzerbrechen. 

Denn angrenzend an den geplanten Mitarbeiterparkplatz will die Stadt ein neues Baugebiet ausweisen (Rödermatt III). In dem Mischgebiet gelten inzwischen verschärfte Auflagen. Nicht nur die TA Lärm, sondern auch EU-Richtlinien. Deshalb sei der Bau einer Lärmschutzwand unerlässlich. Für die verschiedenen Varianten liegen dem Unternehmen inzwischen alle notwendigen Gutachten vor. »Im Februar entscheiden wir, wie weiter geplant wird« stellt Ernst fest.

Die Lärmschutzwand könnte eine Höhe von mehreren Metern erreichen. Ein Punkt ist den beiden Managern wichtig: »Der Lärm, der durch den Mitarbeiterparkplatz entsteht, ist viel geringer als der, der von der benachbarten Bundesstraße bis zur Wohnbebauung dringt.« Doch der Straßenbau werde beim Lärmschutz nicht berücksichtigt. Gleichwohl profitierten die Anwohner des Neubaugebietes doppelt: Denn der von Ernst zu bauende Schallschutz verringere den Straßenlärm. 

Deshalb will das Unternehmen mit der Stadtverwaltung sprechen. Ernst: »Es wäre natürlich schön, wenn sich die Stadt an den zusätzlichen Kosten beteiligen würde.« Aus Sicht der Geschäftsführer bringt sich das Unternehmen bereits über die Gewerbesteuerzahlungen in hohem Maße ein. Die Steuereinnahmen dienten dazu, die für die Unternehmen notwendige Infrastruktur zu schaffen. Die Lärmschutzauflagen bringen nach Unternehmensangaben Mehrkosten im sechsstelligen Euro-Bereich mit sich.

»Mit dem Neubau steht und fällt unser künftiges Wachstum«, rechnet Gieringer vor. Mit den vorhandenen Kapazitäten sei das nicht zu stemmen. Ernst will am Heimatstandort auch in drei größere Pressen investieren, um seine Produktpalette erweitern zu können.
Boom in China

Kräftig wachsen wird die Gruppe auch in China (siehe Stichwort): Dort wird von zwei auf fünf Pressen aufgestockt. Gespräche über den Kauf von Erweiterungsflächen laufen dort ebenfalls. Bevor die neue Produktionshalle in Zusenhofen fertig ist, will Ernst schon einen neuen Schrott-Recycling-Hof in Betrieb nehmen. Die Produktionshalle biete übergangsweise noch Lagerkapazitäten. Die werden voraussichtlich bis zur Inbetriebnahme des geplanten Hochregallagers ausgeschöpft sein. Dessen Höhe gibt Ernst mit 25 bis 30 Metern an. 4000 Regalfächer sollen dort auf 1250 Quadratmetern zur Verfügung stehen. 
 
Für Hybridmotoren
laufen erste Serien
 
Ernst Umformtechnik entwickelt neue Bauteile
2023 wird weltweit der Höchststand beim Absatz von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren erwartet. Danach sinken die Stückzahlen. Für Automobilzulieferer wie Ernst Umformtechnik bedeutet das, in den kommenden  Jahren lassen sich noch viele Bauteile für den traditionellen Antriebsstrang der Automobile absetzen.

»Es geht aber darum, schon jetzt bei Projekten dabei zu sein, die davon unabhängig sind«, skizziert Matthias Ernst (Kaufmännischer Geschäftsführer) die Planung des Unternehmens. »Wir liefern erste Serienprodukte für Hybridmotoren, allerdings noch in kleineren Stückzahlen«, sagt Herbert Gieringer. Wohin die Reise bei den Antrieben gehe, was neben den Elektromotoren die Autos in Zukunft antreiben werde, wisse man noch nicht. Auch der reine Verbrennungsmotor biete noch Sparpotenzial. Als Automobilzulieferer, denkt Ernst voraus, wolle man den Übergang mitgestalten und die Betriebsaktivitäten im Bereich der neuen Antriebe ausbauen.