Crowdfunding: Eine Idee sucht Geldgeber

Dienstag, Juni 10, 2014
Fairjeans aus Freiburg und Black Forest Games aus Offenburg nutzen das Crowdfunding, um Projekte zu finanzieren
Crowdfunding: Eine Idee sucht Geldgeber
Fotograf: 
Fairjeans

as Internet schafft nicht nur neue Kommunikationsräume, sondern auch neue Möglichkeiten der Finanzierung. Im Normalfall findet das Geld der Anleger über zwischengelagerte Instanzen wie Banken oder Kapitalmärkte den Weg zum Unternehmen, doch das World Wide Web sorgt mittlerweile für eine Abkürzung – und führt Kapitalgeber und -nehmer unmittelbar zusammen.
Diesen Bypass nehmen auch die Kreativen von Fairjeans in Freiburg. Sie werben derzeit im Internet um Unterstützung auf der Crowdfunding-Plattform Startnext. »Uns war klar, dass die Banken uns ohne Sicherheiten kein Geld geben würden«, sagt Walter Blauth, einer der Gründer von Fairjeans. Zusammen mit drei Mitstreitern will er ökologisch und auf faire Weise hergestellte Jeansmodelle auf den Markt bringen. Doch für den ersten Schritt brauchen die Newcomer zunächst eine Anschubfinanzierung in Höhe von 10 000 Euro. Das Geld wird benötigt, um die erste Kollektion von einer Designerin  – zwei Modelle für Damen, eines für Herren – entwerfen zu lassen.
Deshalb haben sich Walter Blauth, Anna Zapp, Hannah Brandenburger und Martin Apitz in die Hände der Netzgemeinde begeben, um die nötigen Mittel für ihr Vorhaben einzusammeln. Was dem vierköpfigen Team dabei aber mindestens genau so wichtig ist: Sie wollen die Frage klären, ob sich genug Menschen für ökologische Jeans begeistern. »Wir wollten auch wissen: Wie interessant ist unsere Idee? Inwieweit sind die Menschen bereit, in ein solches Projekt Geld zu investieren?«, sagt Blauth. »Wir bekommen nicht nur das Angebot finanzieller Unterstützung, sondern auch Hilfe durch Fachwissen angeboten«, ergänzt Hannah Brandenburger. Der  Schwarm ist Investor, Unternehmensberater und Marktanalyst in einem.
Nicht immer klappt es
Crowdfunding oder Crowd­investing ist in Deutschland eine noch relativ junge Art der Projektfinanzierung – jedoch mit steigender Bedeutung. Laut dem Internetportal Für-Gründer.de lag das vermittelte Crowdfunding-Kapital in Deutschland im vergangenen Jahr bei 5,36 Millionen Euro, 2012 waren es knapp zwei Millionen, ein Jahr zuvor nicht einmal eine halbe Million Euro. Allein über die amerikanische Crowdfunding-Internetplattform Kickstarter wurde laut eigenen Aussagen seit 2009 bereits mehr als eine Milliarde US-Dollar von insgesamt 5,7 Millionen Menschen weltweit eingesammelt, um kreative Projekte zu finanzieren.
Auch die Offenburger Spieleentwickler von Black Forest Games haben über Kickstarter mit Hilfe der Game-Gemeinschaft ihren Spiel-Erfolg »Giana Sisters« finanziert. Beachtliche 186  000 Dollar sammelte das Team um Andreas Speer und Adrian Goersch im Jahr 2012 ein,  36 000 Dollar mehr als ursprünglich geplant. Doch nicht immer klappt das Werben um die Gunst der Internetgemeinde. Für das Spiel »Ravensdale« kam bei einer neuen Crowdfunding-Kampagne nicht genug Geld zusammen. Die Schwarzwälder Spieledesigner reagierten und legten der Fangemeinde ihr verändertes Konzept »Dieselstörmers« vor – und holten damit mehr als 50 000 Dollar rein.
Selbst die Deutsche Bank hat sich mit dem Phänomen der Schwarmfinanzierung auseinandergesetzt.  »Nicht zuletzt wird durch die Crowdfunding-Bewegung auch einem, nicht nur auf nationaler Ebene stattfindenden, Engpass entgegengewirkt: Dem Mangel an liquiden Mitteln für Entrepreneure in Frühfinanzierungsphasen«, schreiben die beiden Deutsche-Bank-Analysten Thomas  Dapp und Christoph Laskawi in einer aktuellen Studie. Das Geldhaus ist selbst auf den Crowdfunding-Zug aufgesprungen. Zusammen mit Startnext und der Deutschen Bank Stiftung hat die Social Impact GmbH die Finanzierungsplattform Social Impact Finance für Gründungsideen mit sozialem Charakter ins Leben gerufen. Es geht dabei nicht nur um das Einsammeln von Geld, sondern auch um eine Qualifizierung der Gründer: Über ein Bildungs- und Schulungsangebot sollen die Entrepreneure auf die Gründung vorbereitet werden. Am Ende müssen sich die Jungunternehmer vor einer Jury beweisen.
»Jetzt ist die Zeit gekommen«
Etwa 8000 Euro haben die Macher von Fairjeans bereits auf ihrem virtuellen Konto bei Startnext angehäuft. Damit es zur Auszahlung kommt, müssen die noch fehlenden 2000 Euro bis Ende Juni zusammen sein. Sonst platzt der Traum von der ökologisch produzierten Jeans. In einem zweiten Schritt soll dann eine Genossenschaft gegründet werden, um Fairjeans am Markt zu positionieren. »Wir brauchen 100  000 Euro, um durchstarten zu können«, sagt Blauth
Er und Brandenburger sind sich sicher, dass die Idee funktioniert. »Die Resonanz, die wir empfangen, ist wirklich sensationell«, sagt Blauth. »Jetzt ist die Zeit gekommen, um es zu versuchen.«
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