Amtek verschiebt erneut Sonderzahlungen für Neumayer Tekfor

Mittwoch, April 12, 2017
Noch keine Informationen zum Verkauf / Automobilzulieferer der Amtek-Gruppe in Thüringen insolvent
Amtek verschiebt erneut Sonderzahlungen für Neumayer Tekfor
Fotograf: 
Claudia Ramsteiner

Seit eineinhalb Jahren ist bekannt, dass Amtek deutsche Werke wieder veräußern will. Darunter auch den Hausacher Automobilzulieferer Neumayer Tekfor, das nach seiner Schutzschirm-Insolvenz im März 2013 von dem indischen Automobilzulieferer gekauft wurde. Offensichtlich steckt der Konzern noch immer in finanziellen Schwierigkeiten. Bereits Ende November 2016 hatten die Mitarbieter erfahren, dass die Sonderzahlungen (Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und Bonuszahlungen für 2016) verschoben seien und zu je einem Drittel in den ersten drei Monaten 2017 ausgezahlt würden.
Die versprochenen Zahlungen im Januar und Februar seien erfolgt, im März habe jedoch das letzte Drittel auf den Lohnabrechnungen erneut gefehlt. Nach Verhandlungen mit einem Bevollmächtigten von Amtek sei der Rest der Sonderzahlungen nun auf Mai versprochen, sagte Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Breig gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Die Mitarbeiter wurden ebenfalls gestern in einer Informationsveranstaltung unterrichtet. 
Insovenzverfahren der Firma REGE Motorenteile in Thüringen eröffnet
Die Gerüchteküche kocht bereits seit Monaten. Dass am 1. April das Insolvenzverfahren der Firma REGE Motorenteile in Hörselberg-Hainich in Thüringen eröffnet wurde, trägt nicht gerade zur Beruhigung der rund 700 Mitarbeiter von Hausachs größtem Arbeitgeber bei. Denn auch dieser Automobilzulieferer wurde vor knapp zwei Jahren von Amtek gekauft.
»Spärlicher Kontakt«
Ob die Sorgen der Neumayer-Tekfor-Mitarbeiter, die Insolvenz könnte sich auch auf das Hausacher Unternehmen negativ auswirken, berechtigt sind, könne er nicht beurteilen, sagte gestern der Kanzleikollege von Rüdiger Weiss aus Erfurt, der als Insolvenzverwalter bestellt ist. Bei einer engen wirtschaftlichen Verflechtung wäre diese möglich – da ihm das Unternehmen Neumayer Tekfor überhaupt nicht bekannt sei, glaube er daran eher nicht. Möglicherweise gebe es aber »oben im Kopf« von Amtek Schwierigkeiten. Auch das könne er nicht beurteilen, der Kontakt zur Geschäftsleitung in Indien sei »mehr als spärlich«. 
Rothschild sucht jetzt Käufer
Schon Ende Oktober 2015 meldete die Nachrichtenagentur Reuters, dass »die in finanzielle Schwierigkeiten geratene Amtek die US-Investmentbank Morgan Stanley beauftragt hat, einen Käufer für das Hausacher Unternehmen Neumayer Tekfor zu finden. Die Verkaufsverhandlungen stehen möglicherweise kurz vor dem Abschluss«, hieß es damals. Seitdem schwebt die Nachricht wie ein Damokles-Schwert über  dem Unternehmen.
Nachdem der erste Anlauf gescheitert war, habe Amtek  den Berater gewechselt und Rothschild angeheuert, berichtete im November 2016 das österreichische »Industrie-Magazin«. Dort war die Rede von acht Offerten, von denen zwei oder drei Interessenten in die engere Wahl genommen würden. Gute Chancen rechnete der Wirtschaftsverlag für den spanischen CIE Automotive (hinter der die indische Mahindra stehe), sowie für den kanadischen Linamar und den japanischen Autozuliefer Musashi Seimitsu aus. 
Keine Infos über Verkauf
Unternehmen wird dieses Jahr 75 Jahre alt
Über den Verkauf seien gestern keine Informationen geflossen, sagte Wolfgang Breig. Man rechne damit im September, da »so ein Verkaufsprozess etwa sechs Monate benötigt«. Gut möglich also, dass der konkrete Verkaufsprozess nun begonnen hat. 
»Die Mitarbeiter sollte es nicht tangieren, unter welcher Flagge wir arbeiten«, hatte Werksleiter Jörg Stoffels immer betont, dass »Neumayer Tekfor gut dastehe«. Besitzerwechsel hat das von Erich Neumayer vor 75 Jahren gegründete Unternehmen schon etliche hinter sich gebracht.